Talentschuppen

Praxis für     Begabtenförderung

Hochbegabt und/oder hochsensibel in der Coronakrise


Das öffentliche Leben in Deutschland hat sich verändert. Veranstaltungen sind abgesagt, Schulen laufen im Notbetrieb und Kitas nehmen langsam ihren Betrieb wieder auf.

Doch noch immer sind uns selbstverständliche Grundrechte eingeschränkt, die nahe Zukunft ist nicht mehr planbar.

Routinen des Alltags werden durchbrochen, was gestern noch normal war, wird heute hinterfragt.

Menschliche Kontakte sind geprägt durch entweder viel mehr Nähe in Familien oder sehr viel Abstand, der Risikogruppen schützten soll.

Paradigmenwandel in allen Bereichen des Lebens, ohne Zeit, sich darauf vorbereiten zu können…

Das stellt für hochbegabte und/ oder hochsensible Menschen eine besondere Herausforderung dar, denn sie empfinden die derzeitige Situation mehrdimensional, mit allen Sinnen und haben bisher gelernt, durch kognitives Hinterfragen und Faktenchecks  Kontrolle herzustellen.

Die ausgeprägte visuelle Verarbeitung des hochbegabten/ hochsensiblen Gehirns nimmt die Flut von Bildern in den Medien nahezu ungefiltert wahr:

Menschen mit Atemschutzmasken, Menschen im Krankenhaus, Menschen in Schlangen vor caritativen Einrichtungen sind allgegenwärtig in der Medienberichterstattung.

Worte wie „Pandemie“, „Durchseuchung“, „Sterberate“… sind alltäglich geworden.

Hochsensible Menschen sind damit ungleich mehr belastet, weil es schwieriger für sie ist, sich gegen das Leid des anderen abzugrenzen.

Vor allem hochbegabte, hochsensible Kinder sind z.Zt. total überfordert, zumal ihnen Mechanismen, mit der Überforderung umzugehen, momentan nicht zur Verfügung stehen:

Bewegung, Spielen, und Lernen mit Gleichaltrigen, geliebte Bezugspersonen wie die Großeltern, ErzieherInnen und Lehrkräfte fallen weg oder sind nur noch begrenzt ereichbar. Kinder erleben sich als Bedrohung für andere Menschen und erfahren ablehnende Reaktionen von ängstlichen Mitmenschen, die sie ständig an Abstandsregeln erinnern. Ein Verhalten, das Kindern (zum Glück!!) völlig wesensfremd ist. Klassengruppen in Schulen werden oft bewusst so zusammengesetzt, dass Kinder keine Freunde treffen können, um Distanz halten zu können. Gesichtsmasken lassen die Mimik des Gegenübers unlesbar werden und führen zu massiver Verunsicherung.

In unserer Praxis konnten wir bei Kindern mittlerweile Reaktionen feststellen, wie sie auch von Erwachsenen in Arbeitslosigkeit überliefert sind:

Antriebslosigkeit, innere Unruhe, Angstzustände, Depressionen, Schlafstörungen und andere psychosomatische Auffälligkeiten.

Eine große Herausforderung für Eltern, Lehrkräfte und Eltern!

Auch hochbegabte erwachsene Menschen zeichnen sich aus durch die Fähigkeit zu antizipatorischem Denken, was häufig dazu führt,  Angstszenarien virtuos bis zum Katastrophenfall durchspielen zu können. Es ist in Forschung überliefert, dass hochbegabte und hochsensible Menschen damit anfällig sind für Angststörungen, sofern Resilienzfaktoren wie z.B. Bindung und intellektuelle Auslastung nicht gegeben sind. Berufliche Existenzen sind gefährdet z.T. ohne Perspektive für die Zukunft, was Gefühle wie Ohnmacht und Kontrollverlust aufkommen lässt. Auch hier hören wir momentan von unseren Klienten, dass die aktuelle Situation emotional hoch belastend ist, zumal die Informationsquellen für Realitätsabgleich äußerst widersprüchlich sind.

Vielleicht können Ihnen ja folgende Hinweise für den Umgang mit Ängsten bis zum nächsten persönlichen Kontakt in unserer Praxis hilfreich sein:

 

Gefühle stecken an 

Werden Sie sich Ihrer eigenen Gefühle bewusst. Nur dann sind Sie in der Lage, sich selbst helfen zu können. Angst, Wut und Trauer sind der derzeitigen Situation angemessene Gefühle, aber wenn sie omnipräsent werden, kann das bewusste Wahrnehmen des Hier und Jetzt (Achtsamkeit) entlasten.

Ein hochsensibles/hochbegabtes Kind wird Gefühle von Erwachsenen intuitiv wahrnehmen. Es ist besser, diese nicht zu verleugnen, um dem Kind nicht das Bewusstsein zu geben, es könne seinen Gefühlen nicht mehr trauen.

Zeigen Sie Ihren Kinder aber auch, wie Sie es schaffen, selbst mit Ihren Gefühlen umzugehen, damit Ihre Ängste nicht zur Angst der Kinder werden.

 

Perspektiven machen Mut

Neben der notwendigen Aufklärung zur Handhygiene und Abstandregel ist es genauso wichtig, sich selbst und Kindern eine Perspektive zu geben, wie es nach dieser schweren Zeit weitergehen kann.

Hoffnung und „das Gute im Schlechten“ sehen geben Mut!

 

Realitätsbezug hilft

Hochbegabte/ hochsensible Erwachsene und Kinder nehmen mehrdimensional wahr. Also gibt es außer der epidemiologischen, schulmedizinischen Sicht auch noch andere Sichtweisen, die Realität abbilden.

Religion, Philosophie und andere Geisteswissenschaften sind ebenfalls Informationsquellen, die genutzt werden können, um Ängsten eine Realität entgegenzusetzen.

 

Ablenkung darf sein

Aus Langeweile kann Kreatives entstehen! Musik, Kunst, Fantasiespiel und Sport sind Chancen, mit der Belastung durch Isolation und Unsicherheit umzugehen.

Selbst das Basteln mit Toilettenpapierrollen ist wieder möglich…

Die momentan mental anstrengende Zeit darf aber auch dazu genutzt werden, einfach NICHTS zu tun. Das Unterbewusstsein ist oft so sehr mit der Abwehr von Ängsten und Unsicherheiten beschäftigt, dass auch das vermeintlich unproduktive Sein seinen Sinn erfüllt.

Während in normalen Zeiten der Medienkonsum sehr kritisch betrachtet werden sollte, kann im Moment das Computerspielen oder (kindgerechte) Fernsehen auch helfen, prekäre (Familien)Situationen zu entlasten.

Eine Stunde mehr Fernsehen ist im Zweifel besser, als das Aufeinandertreffen von gestressten Eltern im Homeoffice und gestressten Kindern in engen Wohnungen.

Der Konsum von coronafreien Streaming Formaten kann auch in der Einsamkeit helfen.

Es ist im Moment keine gute Idee, sich mit guten Vorsätzen zu überfordern!

Nachrichtensendungen und bildgewaltige Dokumentationen zum Coronavirus sollten nur in homöopathischen Dosen und für Kinder niemals unbegleitet von Erwachsenen gesehen werden.

Wir halten im Übrigen Podcasts für geeigneter als Livesendungen, weil Eltern dann im Vorfeld schon Informationen selektieren können.

 

Schule kann gelingen- muss aber nicht

Kinder sind teilweise schon im Präsenzunterricht und werden sehr unterschiedlich mit Lernstoff für zu Hause versorgt. Da die Digitalisierung häufig noch sehr zu wünschen lässt, sind die Aufgaben momentan oft noch weniger als zuvor für hochbegabte Kinder geeignet. Der Präsenzunterricht mit Abstandsregeln  Maskenpflicht und unbekannten Lerngruppen stellt für hochsensible Kinder (und Lehrkräfte!) eine große Belastung dar.

Kinder und Jugendliche beschäftigen sich mit Ängsten, sich und ihre Eltern bzw. Großeltern anstecken zu können und müssen gleichzeitig Hochleistungen erbringen, um z.B. ihre Abschlussprüfungen zu schaffen.

Vertraue Lehrpersonen fehlen wegen des hohen Altersdurchschnitts in den Kollegien in den Schulen und können maximal digital präsent sein. So bleibt die Vermittlung von Stoff jetzt oft den Eltern überlassen- die dafür nicht ausgebildet sind.

Dies wirkt sich auf die Eltern-Kind-Beziehung aus, die doch gerade im Moment so wichtig für die Kinder und Jugendlichen ist, um diese Krise psychisch gesund zu überstehen.

Im Zweifel ist es wichtiger, Verständnis für die Lernschwierigkeiten im Moment zu zeigen, als Kinder und Jugendliche noch unter Leistungsdruck zu setzen.

 

Zuletzt möchte ich Ihnen noch einen Artikel des Zukunftsforschers Matthias Horx empfehlen:

Die Technik der REgnose halte ich auch für hochbegabte/hochsnesible Kinder und Erwachsene für sehr geeignet, mit Ängsten umzugehen und Perspektiven für die Zukunft zu gewinnen.


 https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/


Bleiben Sie gesund und zuversichtlich!